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Thomas Gerdiken

Es ist Donnerstagnachmittag, 14 Uhr, ich betrete Thomas Gerdikens Wohnung, nicht weit entfernt vom Remarque. Bereits im Treppenhaus empfingen mich Konzert-Poster und Urkunden, die von einem Musiker zeugen. Das Meiste ist bunt und in schrillen Farben, je näher man der Wohnungstür kommt, umso mehr kann man förmlich spüren, wie wichtig die Musik für diesen Mann sein muss und umso offensichtlicher wird die musikalische Herkunft, das Genre von Thomas Gerdiken- der Jazz und der Blues. 

Er empfängt mich an der Tür, wir kennen uns schon lange, nehme ich doch schon seit bald sechs Jahren Klavierunterricht bei ihm und doch sollte ich erst heute richtig erfahren, was er in seinem Leben alles erlebt hat. Wir gehen zusammen in sein Wohnzimmer, dass weitestgehend zu seinem Unterrichtszimmer umgebaut wurde. Im Zentrum des Raumes steht ein großer schwarzer Flügel und ein Mikrofon, die mit einer umfangreichen Soundsoftware und dem Fernseher verbunden sind, Bedingungen wie in einem Tonstudio. Als ich ankomme, singt gerade eine erwachsene Schülerin ihre die letzten Töne, bevor sie sich verabschiedet und wir unser Interview beginnen können. Er nimmt auf dem kaminroten Sofa Platz, während ich mich auf dem Klavierhocker ihm gegenüber setze. 

Wir beginnen das Interview und schnell fällt mir seine jahrelange Erfahrung in Interviews auf. Jede Frage beantwortet er routiniert und sicher, ohne jedoch zu langweiligen oder seine Antworten einstudiert klingen zu lassen. Später erzählt er mir, dass er lange Zeit daran gearbeitet habe, präzise auf die Fragen zu antworten und auch das als Stimmcoach an seine Schüler weitergebe. 

Die meiste Zeit seines Lebens hat Thomas Gerdiken allerdings nicht als Lehrer gearbeitet. Trotz abgeschlossenem Musikstudium, mit dem er auch problemlos Lehrer hätte werden können und anfangs auch wollte, entschied er sich schlussendlich für eine Bühnenkarriere und spielte anfangs überwiegend in Osnabrück und später auch in ganz Deutschland und unterrichtete einmal pro Woche. 1990 entstand der erste Kontakt nach New Orleans als er im Vorprogramm des berühmten US-amerikanischen Bluesmusikers Fats Domino bei dessen Europa-Tournee auftrat. 2008 lud dieser ihn dann zu seiner Geburtstagsparty nach New Orleans ein- das Zentrum des Jazz und Blues. Er sagt selbst, er sei „regelrecht geschockt gewesen von dem Niveau der Musiker“, dass er vorher noch nie so gesehen hatte. Obwohl die amerikanischen Pianisten eine „ganz andere Qualität“ gehabt hätten als er dort angekommen sei, hätten die Leute ihn dort aufgenommen und mitgenommen und er sei dankbar dafür, wie die Stadt ihn persönlich geprägt und „als Musiker neu erfunden“ hat und beschreibt es als zweites Studium.

Bei dieser Geburtstagsparty entstand dann auch die Idee, den Opfern des Hurricanes Katrina aus dem Jahr 2005, gerade in den Ghettos und den betroffenen Musikern zu helfen und die katastrophalen Bedingungen zu verbessern. In der Aufnahme erzählt Thomas Gerdiken selber von seinem Engagement, für das er 2010 zum Ehrenbürger und Offiziellen Musikalischen Botschafter von New Orleans ernannt wurde.

Seine Bühnenkarriere beendete er dann 2013 so groß, wie es nur möglich gewesen ist- mit einem Konzert vor dem Brandenburger Tor im Vorprogramm zur Rede des US-Präsidenten Barack Obama. Er sagt darüber, es sei das absolute Highlight seiner Karriere gewesen und ihm sei auch bewusst gewesen, dass er das nicht mehr übertreffen konnte. So hörte er auf an dem besten Moment um sich nicht „selber zuschauen [zu müssen], wie er diesen Ast wieder heruntersteigt“.

Nach diesen 40 Jahren auf Tour mit je mindestens 100 Konzerten pro Jahr wirkt die Zeit danach sehr entschleunigend und vieles änderte sich. Er konnte dahin zurückkehren, was er ursprünglich einmal machen wollte, bevor er Profi wurde und Schülern seine Erfahrungen weitergeben. Nach dieser Zeit des „exzessiven Lebens“, bei dem neben Konzerte spielen, für Konzerte üben und sich von Konzerten ausruhen nicht viel Platz blieb, dass ihn derart ausfüllte, dass er nichts anderes tun konnte,  hatte er beispielsweise erst Zeit, seine Nachbarn kennenzulernen. Trotzdem jedoch sagt er, er würde nichts bereuen, ein „0815-Leben [wäre] für ihn nie eine Option gewesen“, er wollte nicht sein Leben von vorne bis hinten durchplanen, denn vieles in seinem Leben hat er einfach dadurch erreicht, „im richtigen Moment an der richtigen Stelle [gewesen zu sein]“.

„Das Leben ist wie ein Zug und irgendwann kommt das richtige Abteil vorbei und man muss sofort aufspringen.“

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